MINT Cafe

Donnerstag, der 25.09.14 10:15 in der Albert-Schweizer-Schule in Alsfeld. Mein erster Einsatz als Role Model im MINT Cafe im Rahmen eines Berufsinformationstags. Der erste Schwung von Oberstufenschülern kommt rein, vier setzen sich an meinen Tisch. Es sind nur Mädchen, denen ich erst mal eine bisschen was von mir erzähle: Mathematikerin, zwei Töchter, seit fast 30 Jahren in der IT tätig, die letzten Jahr als Freelancerin ausschließlich bei Banken. Dann sind die Mädchen dran Fragen zu stellen:

„Warum haben Sie Mathe studiert?“ „… , weil’s mein Lieblingsfach war.“

„Wo kann man als Mathematikerin arbeiten?“ „…  vor allem in der IT (bestimmt mehr als 90%), aber auch als Versicherungs- und Finanzmathematiker, bei statistischen Bundesämtern, Wetter- und Geoinformationsdiensten …“

„Verdient man da gut?“ „… Ja, kann nicht klagen.“

„Was muss man für Voraussetzungen erfüllen, um Mathe studieren zu können?“ „… Man sollte Spaß am Fach und gute Mathenoten haben. Der gesamte Schulstoff kommt von der Pike auf nochmal, also don’t worry, wenn da ein Mathekurs fehlt.“

„Muss man ein Genie sein, um das Mathematikstudium zu bestehen?“ „… Nee, bin ja auch keins. ;)“

„Kriegt man leicht einen Job?“ „… Ja, sehr viel leichter als in vielen anderen Berufen, insbesondere in der IT besteht ein hoher Bedarf an Fachleuten und Mathematiker werden wie Informatiker gern genommen.“

Die Mädchen gehen zum nächsten Tisch, wo sie eine Gießerei-Ingenieurin erwartet. Bei mir sitzen jetzt vier Jungs. Die interessieren sich vor allem für Informatik, auch gut.

„Muss man programmieren können, um Mathe oder Informatik studieren zu können?“ „… Nein, aber ein Fehler ist es nicht das zu können.“

„Haben Sie programmiert?  … und was?“ „… aber ja, so Zeug was heut keiner mehr lernt: Cobol, Fortran, Pascal, PL/1, Assembler. HTML, PHP, C++, Java habe ich auch gelernt, aber beruflich nur verstehen müssen, nicht selbst programmiert.“

„Wenn man später in der IT arbeiten will, ist da Mathe das richtige Fach?“ „… also, beide Studiengänge enthalten ganz viel Mathe. Bei Informatik kommen aber gleich von Anfang Themen wie Programmierung, Algorithmen, Datenbanken dazu. Wer weiß, dass er in die IT will, sollte gleich Informatik studieren.“

Die Informatiker von morgen wandern zur Bauingenieurin weiter. Die nächste Gruppe besteht fast nur aus Jungs, ein einziges Mädchen ist dabei und ist ganz still. Auf jeden Fall futtert die Gruppe mir die ganzen Plätzchen weg. Die einzig neue Frage:

„Wie sieht das mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus? Kann man Teilzeit arbeiten?“

Auf die habe ich gewartet. Ich verweise auf meine zwei Töchter und erzähle, dass ich als die beiden klein waren nur 30 Stunden pro Woche gearbeitet habe. Bei freier Zeiteinteilung. Da IT-Fachkräfte selten und gesucht sind, machen Arbeitgeber eher Zugeständnisse bei den Arbeitszeiten, das ist zumindest meine Erfahrung. Die Plätzchen sind weg, und das Gruppenbild mit Dame sucht bei der Ärztin am Nebentisch weiter nach Keksen. Inzwischen ist Mittagszeit, die letzten vier Schüler trudeln ein. Das gibt Raum für Einzelgespräche. Und man glaubt es nicht, es sind tatsächlich drei dabei, die ernsthaft daran denken Mathematik – und nicht Informatik – zu studieren, weil sie das Fach geil finden. Ich kann mich kaum halten, zwei davon sind Mädchen. Die Fragen sind jetzt sehr konkret, es geht um Studieninhalte, Voraussetzungen, Anforderungen usw. Ich versuch alles nach besten Wissen und Gewissen zu beantworten, freu mich über das Interesse und denke:

„Wenn sich nur eines der Mädels und der Jungs dafür entscheidet, hat sich’s gelohnt.“  

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